Griechenland nach der Wahl: Neue Regierung, alte Probleme

Griechenland hat gewählt. Das linke Syriza Bündnis ist der klare Wahlsieger. Damit ist jetzt wieder Ex- Ministerpräsident Tsipras am Zug, um eine neue Regierung zu bilden. Das soll schon in den nächsten Tagen geschehen. Die absolute Mehrheit hat das Linksbündnis nicht erreicht. Das war sicherlich das größte Ziel dieser Partei.

Ob die nun eine abgeschlossene Neuwahl die erhoffte politische Stabilität bringt, wird sich erst noch zeigen müssen. Bei der angestrebten Koalition aus linken und rechten Politikern kann sehr schnell schon wieder zum Bruch kommen. Rein rechnerisch würde die neue Koalition über eine Mehrheit von fünf Stimmen verfügen.

Doch diese Mehrheit kann sich sehr schnell als instabil erweisen. Das haben Abstimmungen in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt, bei denen Mitglieder der Regierungskoalition bei wichtigen Entscheidungen nicht mitgezogen haben.

Doch was bedeutet dieses Wahlergebnis nun für den Euro? Im Endeffekt ist die Aufgabe für Griechenland klar. Die Umsetzung des Rettungsplans ist nun einmal stark an Auflagen und Reformen gebunden. Insofern wird es spannend sein zu sehen, ob die neue Koalition um Ministerpräsident Tsipras tatsächlich in der Lage sein wird, diese hohen Anforderungen auch zu erfüllen.

Neue Regierung muss endlich harte Reformen durchsetzen

Jetzt geht es tatsächlich um harte Reformen. Rentenkürzungen müssen durchgebracht werden. Allein das ist schon eine Herkules-Aufgabe für die neue Regierung. Gleichzeitig müssen die bis jetzt noch bestehenden Regelungen für das Renteneintrittsalters deutlich verändert werden.

Das ist nur ein Aspekt des Reformpakets für Griechenland. Irgendwie muss das Land wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Nur so wird es überhaupt möglich sein, wieder in den Zustand zu kommen, Schulden tatsächlich abzahlen zu können. Doch danach sieht es derzeit überhaupt nicht aus. Und die Geldgeber haben hier auch sehr niedrige Hürden angesetzt.

Die Laufzeiten der Kredite sind deutlich verlängert worden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Der ganze Euro wackelt weiter – solange die Probleme in Griechenland weiter bestehen.

Die Rückzahlung der Kredite durch Griechenland beginnt erst weit der Zukunft. Das bietet viel Spielraum für Griechenland. Ich finde das ist zu viel Spielraum, denn das Land ist eigentlich schon seit längerer Zeit pleite. Das zeigt auch die immer weiter steigende Schuldenquote Griechenlands. Mit fast 180 % hat diese Schuldenquote den bisher höchsten Stand erreicht.

 

Quelle: Günter Hannich

Drama um Griechenland wird nur verlängert

Griechenland steht jetzt kurz vor dem dritten Hilfspaket. Die Euphorie über diese Entscheidung hält sich doch in Grenzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel brachte es kurz und bündig auf den Punkt: „Die Vorteile überwiegen die Nachteile.“ Sie sehen: Hier ist von Euphorie wirklich nicht viel zu spüren.

Die Kritik kommt dabei aus dem In- und Ausland. So nennt Lutz Goebbels, der Präsident des Familienunternehmen-Verbandes die nun gefundene Regelung mit den Griechen „Insolvenzverschleppung.“.

Auch prominente Ökonomen äußern sich zur gefundenen Einigung. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman erklärt: „Die Forderungsliste der Euro-Gruppe ist Wahnsinn. Dahinter können nur Staatsstreichgedanken stecken.“ In Deutschland hat sich auch direkt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu Wort gemeldet: „Es macht keinen Sinn, die Probleme des Landes mit immer mehr Geld zuschütten zu wollen. Nachhaltige Arbeitsplätze erzeugt der Geldsegen nicht.

Ifo-Chef Sinn: „Diese Hilfen machen keinen Sinn“

Für ihn ist daher klar, dass sich die griechische Tragödie „zunächst drei weitere Jahre fortsetzen wird.“ Für ihn ist das Euro-Aus für Griechenland immer noch die erste Wahl.

Genau hier setzt auch meine Kritik an: Wenn nun wirklich das dritte Hilfspaket kommt, dann wird der Bankrott Griechenlands nur in die Zukunft verschoben. Ausgehend von der aktuellen Schuldenbelastung ist es eben nicht möglich, dieses Land noch davor zu bewahren. Eine Schuldenquote von 180% der Wirtschaftsleistung führt bei einer schrumpfenden Konjunktur zwangsläufig in den Bankrott.

Mittlerweile ist klar: 2015 wird die griechische Wirtschaft auf jeden Fall in die Rezession rutschen. Die Frage ist nur, wie stark die ausfallen wird. Mittlerweile ist das Wirtschaftsleben in Griechenland immer stärker unter Druck. Die Banken haben noch immer geschlossen. Der Zugang zu größeren Geldsummen ist somit nicht mehr möglich.

Es tauchen schon Schätzungen auf, wonach die griechische Wirtschaft 2015 um bis zu 5% einbrechen wird. Das allein wäre schon ein Drama. Doch noch vor wenigen Monaten erwarteten viele Experten ein deutliches Wirtschaftswachstum für das Land. Immerhin hat Griechenland 2014 erstmals seit 2009 ein Jahr wieder mit einem kleinen Plus von 0,8% abgeschlossen. Dies war nur eine kurze Trendwende – mehr nicht.

Jetzt wird sich der Absturz weiter fortsetzen. Am Ende wird Griechenland nicht mehr im Euro zu halten sein. Vor diesem Eurozusammenbruch sollten Sie sich aktiv absichern.

 

Quelle: Günter Hannich

Griechenland: Jetzt bricht auch noch das Wachstum ein

2015 sollte die Wende zum Positiven bringen für Griechenland. Jetzt ist das erste Halbjahr fast rum. Griechenland steht schlecht da als viele erwartet haben.

Die Hoffnungen in die neue Regierung haben sich kaum erfüllt. Nun drängt die Zeit massiv, damit Griechenland überhaupt weitere Mittel bekommt und so den Staatsbankrott noch verhindern kann.

In der Praxis senken immer mehr Experten den Daumen für das angeschlagene Land in Südeuropa. Erst kürzlich hat beispielsweise die EU-Kommission ihre Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung in Griechenland deutlich korrigiert. 2015 erwarten Experten in Brüssel nun nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 %.

An dieser Stelle könnte man anmerken, dass +0,5 % besser ist als ein Minus. Wie es wirklich um Griechenland bestellt ist, zeigt der Blick auf die bisher geltende Prognosen: Hier hatte die Kommission ein Wirtschaftswachstum in Griechenland von 2,5 % erwartet. Etwas besser sieht es für 2016 aus. Hier erwartet die EU-Kommission noch ein Zuwachs von 2,9 %.

Allerdings ist dieser positive Ausblick an eine wichtige Sache gekoppelt: Dieses Plus kann Griechenland nur erreichen, wenn im Juni eine Einigung mit den Geldgebern über neue Hilfen erfolgt und somit neue Kredite ans Land fließen.

Schuldenquote wird auf Rekord von 180% steigen

Genau danach sieht es derzeit nicht aus. Die Verhandlungspositionen zwischen den Geldgebern auf der einen Seite und der griechischen Regierung auf der anderen Seite stehen sich nahezu unversöhnlich gegenüber. Die schwächere Konjunktur in Griechenland hat tatsächlich massive Folgen.

So erwartet die EU-Kommission einen weiteren Anstieg der Schuldenquote des Landes. Wenn es im zweiten Halbjahr in Griechenland so weitergeht, wird die Schuldenquote des Landes einen neuen Rekordwert von erstmals mehr als 180 % der Wirtschaftsleistung erreichen.

Eine schnelle Lösung muss her. Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand. Doch nach dieser schnellen Lösung sieht wirklich nicht aus. Das liegt auch an der Führungselite in Athen. So stellte schon vor einigen Tagen der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos ein Ultimatum auf.

Im griechischen Fernsehen erklärte er, dass die Deadline für eine Einigung mit den Gläubigern Griechenlands der 18. Juni sei. Zudem sagt Kammenos: „Es muss eine Einigung bis zum 18. Juni geben, andernfalls stellen wir die Zahlung an die Gläubiger ein und bezahlen Gehälter und Renten. Wenn es bis zum 18. Juni keine Vereinbarung gibt, bezahlen wir weder den IWF noch die EU.“

Das sind klare Äußerungen eines griechischen Politikers mit einem Ablaufdatum in den nächsten Stunden. Daran können Sie einmal mehr ablesen, wie dramatisch derzeit die Lage in Griechenland ist.

 

Quelle: Günter Hannich

Endgame! – Der Bankrott der Welt und seine Folgen (2)

Gestern habe ich Ihnen aufgezeigt, dass die globale Verschuldung der Volkswirtschaften immens zugenommen hat.

Betrug diese im Jahr 2000 noch 87 Billionen US-Dollar, sind es heute rund 200 Billionen!

Diese Schuldenlast kann die weltweite Finanzstabilität ins Wanken bringen. Und damit auch den Weltfrieden.

Bis zum Endgame.

Deutschlands Gesamtverschuldung steigt

Auch Deutschland, als maßgeblicher Player und „Vorzeigeland“ der EU, steht bei weitem nicht so gut da, wie es immer wieder verlautbart wird.

Die Schuldenquote in Prozent der Wirtschaftsleistung beträgt hierzulande (ausgewerteter Zeitpunkt der Studie 2. Quartal 2014):

Staat: 80 %

Finanzsektor: 70 %

Unternehmen: 54 %

Private Haushalte: 54 %

Insgesamt beträgt die Gesamtverschuldung Deutschlands also 258 %.
Interessant dabei: Die deutsche Staatsverschuldung liegt höher als die des Finanzsektors und der Unternehmen sowie der Privathaushalte.

Alle Schuldenquoten müssen berücksichtigt werden

Lassen Sie sich also nicht aufs sprichwörtliche Glatteis führen, wenn die Bundesregierung wieder einmal nur von der niedrigen Staatsschuldenquote spricht.

Um ein realistisches Bild zu bekommen, müssen alle Schuldenquoten berücksichtigt werden!

Genauso, wie es McKinsey in seiner Studie gemacht hat.

Einige EU-Mitgliedsstaaten sind hoch verschuldet

Für Sie habe ich auch die Schuldenquoten einiger EU-Mitgliedsländer herausgesucht.
Diese Tabelle kommt nicht nur zu sehr interessanten, sondern vor allem zu besorgniserregenden Ergebnissen:

Schuldenquote (in Prozent der Wirtschaftsleistung)

1. Niederlande: 687 %

2. Irland: 680 %

3. Dänemark: 538 %

4. Großbritannien: 435 %

5. Spanien: 402 %

6. Frankreich: 374 %

7. Italien: 335 %

8. Deutschland: 258 %

Die „Täuschung“ mit den EU-Krisenstaaten

An dieser „Gesamtverschuldungs-Tabelle“ können Sie ersehen, dass es mitnichten nur die sogenannten Krisenstaaten sind, die innerhalb der EU ein Mega-Problem haben.

Sondern auch Länder, denen man eigentlich Finanzstabilität nachsagt, wie den Niederlanden, Spanien oder Großbritannien.

Auch Irland – das immer wieder als Beispiel angeführt wird, wie gut es die Krise doch überstanden hat, weist in Wirklichkeit eine enorme Gesamtverschuldung auf!

Interessant auch: In den Niederlanden, in Irland, Dänemark und Großbritannien übertreffen die Schulden des Finanzsektors bei weitem die Staatsschulden.

In Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien ist es genau umgekehrt.

Vergleich mit nicht-europäischen Industrienationen

Nachfolgend die Zahlen von vier nicht-europäischen Industrienationen im Vergleich zu den EU-Staaten:

1. Japan 517 %

2. USA 269 %

3. China 283 %

4. Russland 88 %

Russland ist der große Sieger

Sie sehen, dass Russland eine sehr niedrige Gesamtschuldenquote besitzt.

Mit 88 % liegt es ganz weit vorn (und hinten in der Tabelle).

So ist der russische Präsident Wladimir Putin in dieser Hinsicht zweifelsohne der große Sieger.

Allen Unkenrufen zum Trotz.

China auf dem Weg in den Abgrund

Hingegen ist Chinas Entwicklung mehr als bedenklich.

Betrug dort im Jahr 2000 die Verschuldung gerade mal 2,1 Billionen US-Dollar, war sie 2007 schon bei 7,4 Billionen. Und 2014 bei über 28 Billionen!

Chinas Verschuldung hat sich in sieben Jahren also vervierfacht.

Schuld daran, so Experten, sei der Immobilienboom und – man höre und staune – die „Schattenbanken“.

 

Quelle: Günter Hannich